Journey

Erste Abfahrt. Ankunft: Terschelling, Holland.

Juni 2013: OEROL Festival auf Terschelling / Niederlande

In der Mitte der Insel eröffnet das KUNSTLABOR Graz die “Agency for Travel Stories”, wir interviewen, filmen, wir spiegeln zurück in die Öffentlichkeit, wir gestalten und veranstalten nach dem Motto: das Unischtbare sichtbar machen. Wir fragen die Menschen:

Warum seid ihr hier? Mit welchen Wünschen kommt ihr auf die Insel?

Statements werden auf eine Zettelwand geheftet und später auf weiße Mäntel gedruckt. Wünsche werden im Rahmen einer riesigen Waving-Performance im Hafen von Terschelling so zu sichtbaren Botschaften, die auf der Insel bleiben, während die Menschen sie mit dem Boot wieder verlassen.

Waving Performace in den Dünen


Zweite Abfahrt. Ankunft Slowakei.

September 2013: ROSMANITOST Festival in Košice / Slowakei

Wir reisen an, arbeiten intensiv, interviewen in vielen verschiedenen Sprachen, fotografieren, filmen und verlieren uns beinahe in der Vielfalt der Minderheiten, Einwanderer, Auswanderer und… was ist eigentlich ein echter Slowake, eine echte Slowakin? Ruthenen, Deutsche, Roma, Ungarn, Tschechen, Bulgaren, Thailänder, Inder, Franzosen, Syrer, Ägypter, Türken… Warum seid ihr hier und nicht woanders auf der Welt?! Angesichts so vieler unterschiedlicher Lebenswege, die sich alle auf magische Weise hier und heute in Košice kreuzen, fragen wir uns: Wem trauen wir welches Schicksal zu? Welche Bilder lösen Geschichten aus? Was irritiert und was bestätigt unsere Sicht der Welt?

Für das Festival mischen wir die Karten neu und richten an acht verschiedenen Orten in der Innenstadt Košices Audio-Stationen ein: Die Besucher_innen sitzen dem lebensgroßen Bild einer Person gegenüber und hören die Geschichte einer anderen Person: im indischen Restaurant betrachtet man das Bild einer Tschechin und hört die Lebensgeschichte eines bulgarischen Markthändlers. Im thailändischen Massagesalon sieht man den argentinischen Tanzlehrer und hört die Geschichte einer Angehörigen der deutschen Minderheit. Die Besucher_innen treten in Kontakt mit den Shopbesitzer_innen und tauchen in den Mix aus Sprachen, Bildern, erzählter Geschichte, Stimm- und Stimmungseindrücken rund um aktuelles oder vergangenes Ankommen und Abfahren ein.

Geschichte von Anna Turoc, einer Angehörigen der deutschen Minderheit in Kosice (Audio)

Im Romaghetto Lunik IX besuchen wir ein Konzert und fotografieren junge Artisten. Die Fotos hängen wir am nächsten Tag im Rahmen einer fünf-Minuten-Instant-Ausstellung am Dorfplatz auf.

Junge Artisten während eines Konzerts im Roma-Ghetto “Lunik IX”

Instant-Ausstellung in Lunik IX


Dritte Abfahrt. Ankunft: Frankreich.

Juni 2014: TRAVELLINGS Festival in Marseille / Frankreich

Wieder sind wir Auftragsfremde, wir beginnen, uns durch die Geschichten von Stadtbewohner_innen hinein in die Vielstimmigkeit der fremden Stadt zu hören. Das KUNSTLABOR Graz hat einen Spielauftrag: Erlebe dir die Stadt und ihre Leute, such dir was aus, verfolge Spuren, nimm Fährten auf, verlasse sie wieder. Verfolge ein Konzept oder passe das Konzept an deine Bedürfnisse und Möglichkeiten an. Da fragt mich Kemer, ein ägyptischer Journalist, der zu Überlebenszwecken nach Marseille ausgewandert ist: „…und wer ist eigentlich Gewinner bei diesem Spiel?“. Die Gewinner, das sind alle jene, die sich durch unsere Arbeit als Teilzeitfremde auf dem temporären Migrationstrip ein bisschen selber in den Geschichten der Leute wiederfinden: mit den eigenen Erinnerungen, Erfahrungen, Lebenshindernissen, Möglichkeiten und Wünschen.

Et vous? Pourquoi vivez-vous ici et non pas ailleurs dans le monde?

Und Sie? Warum sind Sie hier und nicht woanders auf der Welt? Das KUNSTLABOR Graz stellt Fragen und sammelt Antworten von den unterschiedlichsten Bewohner_innen Marseilles. In dem Metrotunnel an der Place des Capucins kann man den Befragten in einer Soundinstallation näher kommen.

Soundinstallation im Metrotunnel


Viertens: Bleiben. Zu Hause in Graz.

August 2015: LA STRADA Festival in Graz / Österreich

Menschen kommen an, Menschen gehen und hinter jedem Wohnortwechsel stehen Geschichten. Das ist in Liebenau nicht anders als sonst wo in der Welt. Wer fortgeht, trifft Entscheidungen: aus Thailand in die Slowakei, von Marrakesch nach Marseille, von Trofaiach nach Liebenau – nachher ist vieles nicht mehr, wie es vorher war. Das KUNSTLABOR Graz hat in ganz Europa Menschen befragt, die umgezogen, aus- oder eingewandert oder noch am Weg sind. Ihre Erfahrungen, Beweggründe und Geschichten stehen für einen Reality-Check zur Verfügung. In einer Tour durch den Bezirk stellen sich die Besucher_innen jenen Fragen, vor denen auch die Protagonisten einst standen; ihre Entscheidungen beeinflussen den Verlauf der weiteren Ereignisse. Eine Reise, die die Schicksalsfragen anderer für den eigenen Weg relevant werden lässt und die Frage aufwirft, wie man selbst entschieden hätte.

Mehrmals täglich starten von der Hello and Goodbye Zentrale Walks: die Besucher_innen begeben sich auf eine Tour durch den Bezirk, die erhalten Einblicke in und Ausblicke auf das Leben in Liebenau.

“Was würdest Du nicht zurücklassen, wenn Du auswandern müsstest?” (Foto)

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Fünftens: Im Dialog mit den Abwesenden. Priština, Kosovo

September 2015: Residency 1 in Priština / Kosovo

Das KUNSTLABOR Graz trifft auf das Oda Theatre in Priština, gemeinsam stellen wir einen Dialog zwischen den in der Stadt Priština Gebliebenen und den nach Graz Ausgewanderten her.

Was wollen wir jenen sagen, die gegangen sind? Was jenen, die geblieben sind?

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